· 

Zero Waste mit der Familie umsetzen

Zero Waste in und mit der Familie umsetzen - Vermeidung von unnötigem Müll und Verschwendung - ist zwar ein hehres Ziel. Sollte aber deswegen nicht mit brachialer Gewalt erfolgen, sondern in kleinen, einfachen und regelmässigen Schritten. Wie dies gelingen kann, beschreibt Christine Balko von "Grüngefühle"* in ihrem nachfolgenden Gastbeitrag:

 

"Die ersten Schritte sind die wichtigsten. Sie sollten daher wohlbedacht und kaum spürbar für deine Familie sein. Warum? Zero Waste, oder Müllvermeidung, klingt erstmal nach Verzicht auf all die tollen Sachen wie Gummibärchen, Schokoriegel oder Chips. Und wenn erst mal deine Familie gegen dein Vorhaben ist, wirst du kaum noch eine Chance haben, es umzusetzen. Ich zeige dir in drei Schritten, wie du die Veränderung in deine Familie bringst.

 

1. Suche dir zunächst einmal fünf einfache Dinge aus.

Sie sollten weder dich noch deine Familie eine große Überwindung kosten und einfach umsetzbar sein. Meine ersten Schritte waren z.B. selbst genähte Stoffservietten, Spüllappen aus alten Handtüchern, sowie Obst- und Gemüsebeutel für den Einkauf. Außerdem ersetzte ich Flüssigseife gegen feste Seife und Tampons gegen eine Menstruationstasse. Alles minimale Veränderungen für mich, oder meine Familie. So war der Einstieg ein Klacks! Genau das ist es, was du erstmal schaffen musst.

 

2. Setze jeden Schritt nach und nach um.

Beobachte, wie deine Familie auf die Umstellung reagiert. Tut sich deine Familie schwer damit? Dann versuche zunächst etwas anderes. Etwas erzwingen zu wollen, bringt nur Frustration. Es ist ein Prozess, der sich langsam entwickelt. Also nichts überstürzen! Auch eine Bea  Johnsen ("Mutter" der Zero Waste Bewegung) hat mal klein angefangen.

 

3. Behalte die Veränderungen so lange bei, bis es sich für deine Familie "normal" anfühlt.

Je nachdem wie bedeutungsvoll die Veränderung ist, kann es eine Weile dauern bis jeder sich dran gewöhnt hat. Gib nicht auf und bleib konsequent! Vielleicht bemerkt deine Familie manche Veränderung nicht mal, oder akzeptiert sie ohne Gemecker. Umso besser, dann kannst du weitere kleine Veränderung einführen.

 

Hier noch ein paar Beispiele für kleine Veränderungen, die sich in meiner Familie leicht umsetzen ließen:

  • Netze und Beutel für loses Obst und Gemüse
  • Ohrenstäbchen mit Papier- oder Holzstiel
  • Holzzahnbürsten
  • Recycling Klopapier
  • Stückseife zum Händewaschen
  • festes Shampoo, feste Duschpflege und festen Conditioner (gibt es bereits in den meisten Drogeriemärkten)
  • Spültücher aus alten Handtüchern selbst nähen, oder wiederverwendbare Tücher aus Baumwolle, Leinen, oder anderen Naturfasern besorgen
  • wiederverwendbaren Spülschwamm, oder Spülbürste mit Wechselkopf anschaffen
  • Getränke in Glasflaschen (Milch, Säfte, Mineralwasser, etc.) bevorzugen
  • Fleisch und Wurst von der Theke, oder direkt vom Metzger kaufen (am besten gleich in eigene Behälter abfüllen lassen)
  • Kinderkleidung vom Second-Hand-Laden, statt alles immer neu kaufen (funktioniert wahrscheinlich bei kleinen Kindern am besten)
  • Reinigungsmittel und Flüssigwaschmittel selber machen oder an Abfüllstationen im Unverpackt-Laden selber abfüllen
  • Klarspüler und Spülmaschinenpulver selber herstellen
  • Zahnpasta mit rein pflanzlichen Inhaltsstoffen bevorzugen (ist zwar nur in einer Plastiktube erhältlich, aber dafür ohne Mikroplastik)

Beim Einkauf kannst du den meisten Müll einsparen. Und zwar indem du ihn gar nicht erst kaufst. Achte bewusst darauf möglichst plastikfrei einzukaufen und wähle eine alternative Verpackung, oder kaufe alles möglichst unverpackt. Da ich in unsere Familie für den Einkauf zuständig bin, entscheide ich was eingekauft wird. So ist das für mich am einfachsten, den Müll gar nicht erst ins Haus zu bringen. Natürlich gibt es bei uns auch Ausnahmen! Manchmal kaufe ich auch Gummibärchen, Chips & Co., schliesslich bin ich auch nur ein Mensch und keine Maschine ;-) Ich und meine Familie haben auch Gelüste, denen wir ab und zu nachgehen. Ich bin der Meinung, dass es auch Ausnahmen geben muss. Ich möchte nicht, dass meine Tochter auf alles verzichten muss, dass sie gern hat, was jedoch nur in Plastik erhältlich ist, z.B. Lutscher. Für viele Sachen gibt es bereits eine plastikfreie Alternative, aber für manche eben noch nicht. Deswegen finde ich es auch in Ordnung, wenn man diese dann ab und zu mal kauft.

Ich hoffe ich konnte euch einige Ideen und Anregungen geben. Und nun viel Spaß beim Umsetzen!"

 

 

 

*Hallo, mein Name ist Christine. Ich lebe gemeinsam mit meinem Partner und unserer kleinen Tochter in Österreich. Wie wohl jede Mutter will ich das Beste für meine Tochter. Ich will eine lebenswerte Welt für meine Tochter, meine Neffen, Nichten und für alle künftigen Generationen. Bilder von ganzen „Plastikinseln“ im Meer schockieren mich immer wieder. Und da frage ich mich: Wie konnte es soweit kommen? Was kann ich dagegen tun? Was können wir alle dagegen unternehmen?

 

Diese Gedanken haben mich im Mai 2018 dazu bewogen meine Gewohnheiten und die meiner Familie zu überdenken und unser Leben etwas umzukrempeln. Ich achte jetzt bewusst darauf beim Einkaufen so viel Plastik wie möglich zu vermeiden. Gerade am Anfang fühlt man sich schnell überfordert, da fast alles in Plastik verpackt zu sein scheint. Daher ist es nach meiner Erfahrung besonders am Anfang sehr wichtig kleine Schritte zu machen, sonst ist das Vorhaben schneller beendet als es angefangen hat.

 

 

Ich möchte dich mit meinem Blog und meiner kostenlosen Facebook-Gruppe unterstützen und dir dabei helfen, den ersten Schritt in Richtung "Low Waste" zu gehen. Es geht mir nicht darum, gar kein Müll mehr zu produzieren, oder sich ein schlechtes Gewissen einzureden, weil man wieder etwas gekauft hat, das in Plastik verpackt ist. Es geht darum, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen, sich dabei gut zu fühlen und den eigenen Plastikkonsum auf ein vertretbares Minimum zu reduzieren.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0